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Neue bayerische VolksmusikRock'n Roll auf der Zither
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von Peter Baier
Seit einigen Jahren hat sich neben traditioneller bayerischer Volksmusik und kommerziellem Volkstümlichen ein dritter Zweig bodenständigen Musizierens entwickelt: die Neue Bayerische Volksmusik, die allerdings Einflüssen aus dem gesamten nördlichen Alpenraum unterliegt. Plötzlich waren sie da, Ende der siebziger Jahre: Musiker, die sich abwandten vom damals international aktuellen Trend des Punk, New Wave und Soul, die aber andererseits nicht in den Grenzen der traditionellen Volksmusik verharren wollten. Die einen sangen bayerisch auch österreichisch und schweizerisch zu angloamerikanischen Rock-Rhythmen, die anderen besannen sich auf die alpenländische Tradition der Bänkelsänger und Moritatenerzahler vom Schlag eines Kraudn-Sepp. Georg Ringsgwandl, Konstantin Wecker, die Well-Buam besser bekannt unter dem Band-Namen "Biermösl Blosn" , Wolfgang Ambros, Ludwig Hirsch oder die Schweizer Band "Patent Ochsner" waren die Pioniere dieser Bewegung. Erfolgreiche Stars wie Hans-Jürgen Buchner ("Haindling") und der privat zurückhaltend, fast schüchtern wirkende Hubert von Goisern, der eigentlich Hubert Achleitner heißt, folgten auf dem Fuß. Zunächst legten die Interpreten der Neuen Bayerischen Volksmusik nur Mundart-Texte über Strukturen der Rockmusik. Sprüche wie "Ois is Blues" von Willy Michl oder "Mir san a bayerische Band" der "Spider Murphy Gang" dokumentierten den geistigen Hintergrund der frühen Szene. Aus dieser Gruppe kam auch der später weltberühmte Falco, damals noch Bassist der Wiener Gruppe "Drahdiwaberl". Interpreten wie "Franek" oder "Alkbottle", die "Erste Allgemeine Verunsicherung" oder der fast ins Kabarettistische tendierende Willy Astor verwendeten weitgehend Elemente aus Rap, Rock'n'Roll oder Hardrock, teilweise verziert mit höchst virtuosen Gitarrensoli, wie man sie von den englischen und amerikanischen Griffbrett-Akrobaten kennt. Der Schauspieler und Sänger Wolfgang Fierek schuf mit "Resi, i hol di mit'm Traktor ab!" und "Nur mir zwoa, mei Harley und i" ebenfalls moderne Volksmusik-Klassiker. Nicht richtig einzuordnen sind die berühmten Stars der Neuen Bayerischen Volksmusik. Sie haben sich jede Nische offen gehalten, machen Ausfälle in die eine oder andere Richtung. Haindling zum Beispiel komponiert sowohl harte Rocksongs, genauso aber einfühlsame Balladen oder fast Traditionelles. Auch den ehemaligen Garmischer Kardiologen Georg Ringsgwandl sieht man gleichermaßen mit Elektrogitarre auf der Bühne wie auch mit akustischem Instrument. Hubert von Goisern, der mit seinen "Alpinkatzen" den unvergleichlichen Hit "Koa Hiatamadl" veröffentlicht hat, wandte sich gerade in jüngster Zeit wieder den traditionellen Weisen seiner Heimat im Salzkammergut zu. Hin- und hergerissen zwischen den Stilen scheint auch der "Zither-Manä", mit bürgerlichem Namen Manfred Zick. Der Musiker vom Tegernsee traktiert seine Zither einerseits wie weiland Jimi Hendrix die Elektrogitarre, bearbeitet andererseits alte Stücke wie etwa "Die Ballade vom Räuber Kneißl" auf seine unnachahmliche, teilweise grotesk-ironische Art. Völlig in der Tradition der Musik ihrer Regionen sind Interpreten wie der Niederbayer Fredl Fesl. Seine Stücke sind oft besinnlicher Natur, dann wieder witzig-ironisch. Fesl schaut dem Volk aufs Maul, vermengt das mit eigenen Erfahrungen ein Volkssänger im besten Sinne. Ganz anders das Duo "Attwenger" aus Linz: Hans-Peter Falkner und Markus Binder verfremden die Volksweisen ihrer Region mit elektronisch verstärkter Ziehharmonika und Schlagzeug. Ihre Texte sind eine Mischung aus ländlicher Gesellschaftkritik und rustikalem Surrealismus. Ähnlich gestaltet die Band "Hundsbuam miserablige" die Inhalte ihrer Stücke. Mit gemischtem Instrumentarium spielen sie G'stanzl und Zwiefache, Landler und Polka. Diatonische Knopfharmonika und Tuba kommen dabei genauso zum Einsatz wie Schlagzeug und Elektrogitarre, auf der der "Streibichi Michi" allerdings phrasiert wie ein Zither-Spieler. Grenzgänger wie "Sepp Hop", die Bayerisches mit Wort-Akrobatik und exotischen Melodien kombinieren, oder der "Bayerisch Diatonische Jodelwahnsinn" vervollständigen die Liste der Neuen Bayerischen Volksmusik. Die aber wird oft von Puristen angefeindet: von den Traditionsbewussten genauso wie von den Modernisten. Unbestreitbar ist jedoch, dass die meisten der nichtkonventionellen Volksmusikanten sich auf hohem Niveau bewegen. Zwei der wichtigsten Vertreter der Neuen Bayerischen Volksmusik, Hubert von Goisern und Haindling, geben zwei gemeinsame Konzerte am 25. und 26. Juli auf Schloss Kaltenberg, etwa 40 Kilometer westlich von München. Telefon 08 21/3 55 53.
Klampfn Toni (Buch und CDs)
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